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Apr. 2016

Wie Anton Miller dem altehrwürdigen Spitalbier neuen Pfiff gegeben hat

Pressemeldung von: Straubinger Tagblatt

Von Franz Nopper

Die Brauerei ist etwa so alt, wie die Brücke, zu deren Fuß sie an der Donau liegt. Seit dem Jahr 1226 kann das St. Katharinenspital in Stadtamhof seine Brautradition nachweisen, länger als jeder sonst in der Stadt. Und ausgerechnet hier, zwischen Kirche und Altenheim, unter steinalten Kreuzrippengewölben, macht ein junger Braumeister mit außergewöhnlichen Craft-Bieren Furore.
Anton Miller, 30 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in der elterlichen Bio-Landwirtschaft mit Brauereigasthof, dem Stanglbräu von Herrnwahlthann, hat sich schon als junger Bursche für das Brauen und die Gastronomie entschieden. Er ging ins Kloster Weltenburg, lernte dort und wurde wenig später, vor ziemlich genau zehn Jahren, Braumeister.
(...) „Und irgendwann hat sich eine Gruppe Amis für eine Brauereiführung angemeldet", beginnt Miller die Geschichte, wie er zum internationalen Bierjuror aufstieg. „Ich wusste gar nicht, wer die waren. Man hat sich verstanden, da haben wir uns ein bisschen zusammengesetzt und das Bier hat geschmeckt."
Einige Zeit später bekam Miller eine E-Mail, die sein Leben nachhaltig verändert hat: Die Gäste waren Organisatoren des World-Beer-Cups und wollten sowohl sein Bier als auch seine Expertenmeinung über den großen Teich holen. Seit 2008 ist Miller nun Juror bei der renommiertesten Bierpreisverleihung der Welt. Sie findet alle zwei Jahre statt, „mal in San Diego oder Chicago oder ganz wo anders. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, was es da drüben für einen Hype um gutes Bier gibt. Eine einzige große Party, das hat mich einfach mitgerissen."
Inzwischen war er auch von Weltenburg nach Regensburg zur Spitalbrauerei gewechselt. Mit ein paar Flaschen, die er aus den USA mitgebracht hatte, schaffte er es, den Spitalmeister Willibald Koller für Craft-Beer zu begeistern.
Und dann wurde viel probiert. Erste Sude wurden daheim in Herrnwahlthann eingebraut. Nach und nach wurden die unterschiedlichen Hopfensorten, die eigene Hefe, das speziell aufbereitete Brauwasser aus dem Spital-Wald und was es sonst alles braucht, immer feiner aufeinander abgestimmt. 2011, als es endlich allen schmeckte, wurde die Manufaktur-Linie vorgestellt, die sich mit schwarzen Etiketten auch optisch vom restlichen Sortiment abhebt. „Wir wollten verhindern, dass jemand das aus Versehen trinkt. Pale Ale, Chocolate Stout, schmeckt ja wirklich anders, als das normale Bier." Was für eine Tiefstapelei... 2013 holte Miller dann noch ganz nebenbei den World-Cup mit dem ganz „normalen" Spital-Dunkel.
Diese Aktivitäten blieben der Gastronomenszene natürlich nicht verborgen - zum Spital gehört nun auch mal ein weltberühmter Biergarten. „Es kommt öfters vor, dass Bier-Fans vorbeikommen. Und mit manchen von denen kommt man ins Geschäft." Millers Manufaktur-Biere werden inzwischen in vielen deutschen Städten ausgeschenkt. In Regensburg dürfte das „Storstad" von Sternekoch Anton Schmaus wohl die nobelste Adresse sein, die auf komplexe Aromen und handwerkliche Tradition baut. Auch beim Craft-Beer-Festival 2015 am Haidplatz war man vertreten. Und besonderes Aufsehen erregte das erste Craft-Beer-Zelt auf der letzten Regensburger Herbstdult: „Viele Leute haben gefragt, warum es nur Festbier und nur ganze Maßen gibt. Und so haben wir einen Treffpunkt für die gemacht, die Bier wirklich schmecken und sich nicht nur betrinken wollen." Ob es sich gelohnt hat? Es sei schwer zu sagen, was genau woher kommt, meint Miller. Jedenfalls hat Ende November die Discounterkette Netto angekündigt, künftig die Spital-Manufaktur in ihren Märkten anzubieten, „So ein Alleinstellungsmerkmal zieht schon die ganze Marke Spital ein bisserl mit nach vorn."

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